Tarifvertrag immobilienwirtschaft baden württemberg

Grafik 1: Tarifbeschäftigte in Deutschland 17Drei verwobene Kräfte machten das deutsche Beschäftigungsmodell: (1) die zunehmende Shareholder-Value-Orientierung deutscher multinationaler Konzerne, (2) die Privatisierung und Liberalisierung der staatseigenen Industrien in Ost- und Westdeutschland und (3) eine Reihe von Sozialstaats- und Arbeitsmarktreformen, die in der sogenannten “Agenda 2010” gipfelten. Diese Reform veränderte die Architektur des deutschen Wohlfahrtsstaates und des Arbeitsschutzes in vielerlei Hinsicht (Bruff 2009). Während die Dekommodifizierung eine zentrale und integrale Idee der fordistischen Nachkriegszeit war, wurde sie nun zu einer arbeitsintensiveren “Recommodification” (Mohr 2007) gemacht. Erstens wurden die Leistungen bei Arbeitslosigkeit gekürzt und Maßnahmen zur Arbeitsfessenzeinführung eingeführt. Zweitens wurde der Beschäftigungsschutz verringert, und drittens wurde der Arbeitsmarkt dereguliert, um die Flexibilität zu verbessern. Die Privatisierung öffentlicher Unternehmen wie Telekommunikation, Post und Eisenbahn hat riesige Märkte geschaffen, in denen die Arbeitsvorschriften und die Dichte der Tarifverträge stark zurückgingen. Dies führte zu mehr Wettbewerb und zu einer oft radikalen Politik der Kostensenkung. Gerade hier wurden neue Bereiche von Niedriglohnjobs geschaffen (Streeck 2009). Durch den ostdeutschen Wandel und die Reformen des Wohlfahrtsstaates sind die Deregulierung des Arbeitsmarktes und die Schwächung der Tarifverhandlungen in Deutschland im Vergleich zu ihren OECD-Konkurrenten (ILO 2012)3 relativ und absolut zurückgegangen. 48Das zugrunde liegende Problem hängt mit der institutionellen Basis zusammen: Die Stabilisierungspolitik der Institutionen, die zwar langfristig zu kurzfristiger Stabilität führt, führt jedoch langfristig zu einer weiteren institutionellen Destabilisierung (Streeck 2009).6 Das ständige Personal wird sogar schwächer, weil die zunehmende Unsicherheit die Trennung von Kern- und peripheren Arbeitskräften in dem Maße auflöst, dass sich die Unsicherheit auf das formal abgesicherte, aber zunehmend kleine Kernpersonal ausbreitet und selbst zur Normalität wird (Bourdieu 1998). Hürtgen 2008). Deshalb hat die IG Metall ihren Fokus in Richtung Regulierung dieses Komplexes verlagert.

In ihrem jüngsten Tarifvertrag hat es die Gewerkschaft geschafft, einige, wenn auch noch begrenzte Mitbestimmungsrechte für die Nutzung von Leiharbeit zu gewinnen. Dies gibt den Betriebsräten einen Hebel, um den umfangreichen Einsatz von Zeitarbeit zu verlangsamen. 22 Seit der deutschen Wiedervereinigung hat sich eine enorme Lohnspanne abgesprochen.